Geschichte

Bereits 1894, 3 Jahre vor der rechtsfähigen Einrichtung des St. Vinzentiusverein e.V., widmeten sich ehrbare Bürgerinnen und Bürger von Deggendorf der "Vinzenzpflege": Nach dem Vorbild des Hl. Vinzenz von Paul war die "Vinzenzpflege" nicht institutionalisierte Hilfe, sondern persönlicher Beistand gegenüber den Armen und Notleidenden. Die Statuten des Vereins von 1897 sprechen daher in keiner Zeile von einem Heim oder einer ambulanten Pflegestation, sondern fordern von den Mitgliedern, unter Hinweis auf die Pflicht die bestehende "Vinzenzpflege" zu erhalten, den persönlichen Besuch bei Armen und Kranken in deren Wohnung, "teils zur Erforschung ihrer Bedürfnisse teils um mit ihnen in fortgesetzten Verkehre zu bleiben"
"Armenbesuche" sind nicht spektakulär, sie vollziehen sich im Stillen und prahlen nicht. So gibt es keine unmittelbaren Zeugnisse von den Aktivitäten der Mitglieder.


Aus den alten Aufstellungen des Vereins über die ausgegebenen Sachspenden (Lebensmittel , Kleidung, Heizmaterial) lässt sich erkennen , dass die Vereinsmitglieder ihren Aufgaben eifrig und gewissenhaft nachgingen.

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigten den Mitgliedern damals aber, dass ihr Einsatz der Ergänzung durch vollbeschäftigte Fachkräfte mit ausgeprägter christlicher Einstellung bedurfte. So wandte man sich an die "Armen Franziskanerinnen zu Mallersdorf" mit der Bitte, Ordensschwestern für diese Aufgabe zu entsenden. Der Bitte wurde entsprochen und ambulante Ordenschwestern, mit ihren Köfferchen voll Pflegeutensilien, suchten die Kranken und Armen der Stadt auf.


Bald sahen die Mitglieder des Vinzentiusvereins, dass die "offene" Hilfe nicht ausreichte, und es erwuchs der Entschluss, ambulante und stationäre Hilfeleistungen anzubieten. Hierzu war eigener Grundbesitz notwendig und der setzte wiederum die Rechtsfähigkeit des Vereins voraus.
Dies dürfte auch der Anlass für die Vereinsgründung im rechtlichen Sinne im Jahr 1897 gewesen sein. Alsbald darauf erwarb der Verein ein kleines Anwesen am Kapuzinergraben und baute es im bescheidenen Umfang aus, so dass schon bald die ersten Bewohner/innen einziehen konnten.

Der Bedarf an Heimplätzen war jedoch so groß, dass im Jahre 1907 durch eine, für damalige Verhältnisse große Baumassnahme, ein Heim geschaffen wurde, das neben den 8 Ordenschwestern 22 Bewohner/innen Platz geboten wurde. Die Aufnahmekapazität des "Vinzenzheims" wurde durch Zukauf der angrenzenden Anwesen kontinuierlich erhöht.

  • Haus St. Vinzenz 1961
  • Haus St. Vinzenz 1963

Bis in die späten 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts konnten bis zu 40 Bewohner/innen in den auf drei Gebäude verteilten Vinzenzheim aufgenommen werden.Daneben wurden jährlich 200-300 Kranke ambulant versorgt. Der Bedarf an ambulanten Pflegeleistungen stieg stetig an. Der fehlende "Nachwuchs" bei den krankenpflegenden Orden zwang den Verein, 1950 die ambulante Krankenpflegestation aufzugeben. Weltliches Personal konnte damals sowohl aus personellen wie aus finanziellen Gründen nicht eingesetzt werden.Um den enorm gestiegenen Bedarf an Pflegeplätzen zu decken entschloss sich der Verein 1960 auf dem Gelände am Kapuzinergraben einen neues Altenheim zu errichten.


Nach einer 2-jährigen Bauzeit konnten am 01. März 1963 die ersten Bewohner/innen in das neue "Vinzenzheim" einziehen. Am 22.06.1963 fand die Einweihung des Vinzenzheimes statt, an der zahlreiche Persönlichkeiten der Kirche, der Stadt und des Landes sich die Ehre gaben. Ende der 60er Jahre baute der Verein dann das Haus Mariental und 1976 ein Seniorenheim mit 24 Wohnungen. Das 1963 eingeweihte Vinzenzheim diente bis in die späten 80er Jahre nun als Altenheim.1988 wich das alte Gebäude des Vinzenzheim einem neuen, moderneren Gebäude. Auf dem Grundstück des Kapuzinergraben 2 entstand das Alten- und Pflegeheim neu. Das Nebengrundstück, der Kapzuinergraben 4, wurde auf Erbpacht an die Fa. Erl verpachtet, die darauf einen Gebäudekomplex mit Wohnungen für Betreutes Wohnen errichtete. Beide Gebäude sind miteinander verbunden.


Im Gebäude der Fa. Erl befindet sich die Kapelle und der Festsaal sowie die Großküche des Altenheimes Haus St. Vinzenz. Die Bewohner/innen im Betreuten Wohnen haben die Möglichkeit, ihre Mahlzeiten vom Altenheim Haus St. Vinzenz zu beziehen. Das Altenheim Haus St. Vinzenz bietet nun 80 Bewohner/innen Platz in Doppel- und Einzelzimmern. Neben der stationären Altenpflege bieten wir Kurzzeit- und Verhinderungspflege; seit 2011 können Sie auch die Tagespflege in Anspruch nehmen. Im Jahr 2014 entschloss sich der Vorstand des St. Vinzentius-Verein e.V., den Teilbetrieb des Alten- und Pflegeheimes auszugliedern. Zum 01.01.2015 wurde deshalb die Alten- und Pflegeheim Haus St. Vinzenz gGmbH gegründet.